«Die Welt steht einem offen»

Janosch Chretien, 5f, und Lasse Lessig, 5e, haben die App «ParentsBridge» für getrennte Eltern entwickelt, mit Kalender, Betreuungsplan und Elternchat. Ein Interview mit den beiden Jungunternehmern.

Janosch Chretien und Lasse Lessig.

Janosch und Lasse, habt ihr alles selber gemacht?
Den Code schreibt eine KI, wir haben nicht von Hand programmiert. Am Anfang liessen wir einzelne Teile von ChatGPT schreiben und setzten sie selbst in unseren Code ein. Dafür mussten wir verstehen, wie das Ganze zusammenhängt, und der Informatikunterricht hat uns dabei geholfen. Es hat eine Weile gedauert, bis wir die richtigen Werkzeuge gefunden hatten und eingespielt waren. Heute entscheiden wir, was die App macht, wie sie aussieht und was sie sagt, und wir testen alles selbst.

Hattet ihr Hilfe?
Unterstützung bekommen wir immer wieder von unseren Eltern: Lasses Vater war früher Webdesigner, Janoschs Vater arbeitet in der Informatik. Unsere Artikel hat Lasses Gotte gegengelesen, die im Bereich Psychologie arbeitet, und Fachstellen geben uns Rückmeldungen.

Wie konntet ihr ein so grosses Projekt neben der Schule stemmen?
Es hat uns einfach sehr viel Spass gemacht. Für uns ist es wie ein Hobby, in dem viel Herzblut steckt. Das zweite Semester der vierten Klasse war etwas ruhiger, da haben wir ein gutes Mass zwischen Schule und ParentsBridge gefunden. Dazu kamen die Frühlings- und die Sommerferien und fast jede freie Minute.

Gab es Schwierigkeiten?
Von unseren ersten 17 Mails an Fachstellen kamen 14 sofort mit einer Fehlermeldung zurück, wegen eines einzigen kleinen Fehlers. Später merkten wir, dass andere Mails im Spam gelandet waren. Solche Kleinigkeiten kosten überraschend viel Zeit, eingeschüchtert haben uns Rückschläge aber nie.

Und die Highlights?
Der Tag im September, an dem die App im App Store erschien. Ein weiteres Highlight kam ganz ohne unser Zutun: Am 1. Oktober hat eine Referentin ParentsBridge an einer Fachtagung in Siders vor über 300 Fachleuten empfohlen, und die Organisatoren schickten den Hinweis danach an alle Teilnehmenden. Wir waren nicht dabei und haben erst später davon erfahren. Anfang November durften wir die App dann selbst in Bern einer Runde aus Gericht, KESB und Kindesschutz zeigen.

Wie wurde das Projekt finanziert?
Die Kosten sind bisher klein. Unsere Familien unterstützen uns, und einen Teil tragen wir selbst, zum Beispiel die Kärtchen mit QR-Code für Fachstellen. Die App finanziert sich über ein Abo: 14 Tage gratis, sobald beide Eltern verbunden sind, danach 17.90 Franken im Monat oder 169 Franken im Jahr. Es gibt keine Werbung und keinen Datenhandel.

Seit wann ist es online?
Wir arbeiten seit Anfang 2026 daran. Seit dem 9. September ist ParentsBridge im App Store, für Android gibt es eine Web-App. Bisher wurde die iPhone-App rund 60mal heruntergeladen, vor allem in der Schweiz und in Deutschland. Am meisten bewegt sich bei den Fachstellen, und dort läuft es gut: Mehrere geben die App bereits an Eltern weiter oder prüfen das gerade, und in den nächsten Wochen dürfen wir sie bei weiteren vorstellen.

Was würdet ihr anderen Jungunternehmern empfehlen?
Einfach anfangen, mit einem Problem, das man selbst kennt. So haben wir es auch gemacht, wir kommen beide aus getrennten Familien. Mit den heutigen Mitteln ist sehr vieles möglich, die Welt steht einem offen. Und das eigene Alter nicht verstecken, denn viele Türen gehen gerade deshalb auf.

https://parentsbridge.app