Das ganze Zitat aus Baden Powells Buch «Rovering to Success» lautet: «Das Leben wäre fade, wenn es nur aus Zucker bestünde; Salz ist bitter, wenn man es pur isst, aber als Teil eines Gerichts verfeinert es den Geschmack des Essens. Schwierigkeiten sind das Salz des Lebens.»
Unser aller Leben wurde anders gewürzt – und das ist auch gut so, denn dies sorgt für Individualität. Jede Person um uns herum hat andere Schwierigkeiten und Hürden in ihrem Leben überwunden und genau deshalb sind sie jetzt mit dieser Persönlichkeit neben uns. Und im Zeitalter von Selbstoptimierung, Influencer:innen, Stress und Leistungsdruck können wir alle einen positiven Blick auf den eigenen Werdegang gebrauchen.
Manchmal sind es die kleinen Hürden, wie der Stress während der Prüfungsphase. Eine Phase, nach der wir vielleicht etwas stressresilienter geworden sind, unseren Perfektionismus etwas kontrollieren und neue Lerntechniken lernen konnten oder es schafften, die eigene Gesundheit über die Noten zu stellen. Kleine oder auch grosse Verbesserungen können wir aus einer solchen Phase mitnehmen.
Und seltener, aber viel prägender, stossen wir auf grosse Hindernisse. Die Trennung der Eltern, der Streit mit der Vertrauensperson, eine Krankheit oder ein anderes Hindernis, mit dem wir lange zu kämpfen haben. Solche Hindernisse haben uns geformt und werden uns auch in Zukunft noch formen. Es sind Zeiten wie diese, aus denen wir gestärkt herauskommen. In denen wir uns selbst und unser Umfeld so gut kennenlernen wie sonst nur selten. Wo sind meine psychischen Grenzen? Wo die physischen? Wie erkenne ich meinen Breaking-Point schon vorher? Welche Personen stehen auch in schlechten Zeiten zu mir? Wer hört mir mit meinen Sorgen zu? Wer nicht? Welche Hobbys machen mir Freude? Und welche Pflichten belasten mich?
Auf keinen Fall möchte ich mit diesem Text anderen Menschen einen Tiefpunkt in ihrem Leben, eine Krankheit oder andere Schwierigkeiten wünschen. Aber ich möchte den Menschen einen Lichtblick schenken, wenn dieser Moment eintreffen wird. Denn er wird kommen. Gewisse Menschen trifft es härter im Leben als andere, aber jede Person wird in ihrem Leben auf Momente stossen, in denen sie sich klein fühlt, in denen es schwierig scheint, vorwärtszuschauen, in denen wir wüschen, sie würden uns nicht treffen. Denn diese Momente existieren und in ihnen kann es einem helfen, einen positiven Blick in die Zukunft zu werfen.
In diesen Momenten kann es sich lohnen, auf die positiven Eigenschaften und Menschen zu blicken, die wir in dieser Phase bereits gewonnen haben. Und nicht nur in diesen Momenten, sondern immer wieder, wie zum Beispiel jetzt oder heute Abend. Es ist schön und erfüllend, auf die Dinge zurückzublicken, die uns geformt haben. All die Momente und Hürden, die uns zu der Person gemacht haben, die nun diesen Text liest. Diese Person hat all diese Hürden gemeistert und ist jedes Mal besser, freundlicher, zufriedener, resilienter, bewusster oder frischer geworden, aber sicher menschlicher daraus hervorgegangen.
Oliver Nabholz
Zivildienstleistender an der KUE
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