Der «dritte Pädagoge» im Seepark

Am Samstag fand die Veranstaltung «Adieu Chemie Uetikon – Grüezi Seepark» in der KUE-Aula statt. Erwartet wurden 30 Gäste, gekommen sind über 100.

Michelle Werder (links) und Anastasia Brika, 4f, stellten ihre Kurzfilme zur Industrialisierung vor. (Bild Karin Hunkeler)

Ziemlich erfreut bis überrascht war Organisator Lukas Zellweger von der Gesellschaft für Technikgeschichte und Industriekultur, als er den Andrang in der KUE-Aula bemerkte: Eigentlich habe er 30 Personen erwartet, gekommen sind aber fast 150. Publikumsmagnet war die Veranstaltung «Adieu Chemie Uetikon – grüezi Seepark» im Rahmen der europäischen Denkmaltage. 

Nachdem man zusätzliche Stühle in die Aula gestellt hatte, begrüsste Prorektorin Karin Hunkeler in Namen der KUE die Gäste. Der «dritte Pädagoge», also der Raum, in dem Lernen und Lehren stattfinde, sei in der Schule nicht zu unterschätzen, sagte sie und leitete damit elegant zum Areal der Chemiefabrik Uetikon über, nämlich zu jenem Raum, um den es heute gehen sollte und der natürlich auch für die KUE zentral ist, wenn sie 2032 an den See zieht.

Tatsächlich bekam man einen guten Überblick über das begehrte ehemalige Chemieareal. Der Uetiker Gemeinderat Hansruedi Bosshard schilderte zunächst die Rolle der Gemeinde in der Planung, bevor die KUE-Schülerinnen Anastasia Brika und Michelle Werder (beide 4f) zwei unterhaltsame Kurzfilme vorstellten. Der erste Film behandelte die Mühle Tiefenbrunnen, der zweite die Chemie Uetikon. Michelle Werder konnte dazu aus der eigenen Familiengeschichte schöpfen, ist sie doch eine Nachfahrin der Gründerfamilie Schnorf. Die Filme waren in den Fächern Deutsch und Geschichte vergangenes Semester an der KUE entstanden.

Danach erzählte Armin Pfenninger, der 36 Jahre als Chemiker in Uetikon tätig war, fundiert die Geschichte der Fabrik – aus technischer und sozialer Perspektive, von der Düngerherstellung bis zum Schliessen der Werktore im Jahr 2018. Als er auf die Einführung des Fabriktelefons 1886 hinwies, läutete dazu passend, aber wohl unabsichtlich ein Handy im Publikum. Schliesslich erläuterte Kai Machold von der Mettler Entwickler AG die vielfältige Zukunft des Areals (Projekt Seepark).

Im abschliessenden Podiumsgespräch diskutierten Hansruedi Bosshard, Rolf Käppeli («Industrieraum Zürichsee»), Hansruedi Knopf (Ex-Logistiker der Chemiefabrik), Andreas Natsch (Biologe) sowie Armin Pfenninger und Kai Machold die Zukunft des Raums und die damit verbundenen Herausforderungen. Der «dritte Pädagoge» interessiert offensichtlich in Uetikon und darüberhinaus.