«Der VAR macht den Fussball fairer. Punkt»
Filip Mihajlovic unterrichtet nicht nur die Klassen 1b, 1c und 3e in Französisch, sondern pfeift auch bei den Männern in der vierthöchsten Liga («1. Liga Classic»), manchmal auch in der «Women‘s Super League».
Filip Mihajlovic, übersteht die Schweiz die Gruppenphase?
Eine WM ist ein spezieller Anlass, wo Überraschungen immer möglich sind. Die Schweiz hat eine gute Mannschaft und sollte auf dem Papier gute Chancen haben. Ich bin aber schlecht in Prognosen. (lacht)
Schaust du an der WM besonders auf die Schiris?
Ich schaue immer auf die Schiedsrichter:innen, vor allem auch an der WM. Man sieht viele verschiedene Referees, Menschen, die man nicht kennt. Da lasse ich mich gerne inspirieren. Es gibt auch sehr viele interessante Analysen und Kommentare zu den Spielen und Entscheiden auf dem Feld, was ich besonders spannend finde.
Was ist für die Schiris an der WM besonders herausfordernd?
Die aufgebotenen Schiedsrichtergespanne lernen neue Mannschaften kennen, die sie bislang selten oder vielleicht noch gar nie gepfiffen haben. Sonst kennen europäische Top-Refs die jeweiligen Teams und Spieler aus der Champions League oder den nationalen Meisterschaften. Aber an der WM gibt es neue Konstellationen. Und man weiss, dass eine WM nur alle vier Jahre ist. Dann will man als Schiri besonders performen. Vorbereitung ist folglich nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Schiris wichtig.
Wie gross ist der Druck für Schiris, ja keine Fehler zu machen? An der WM und in der Provinz?
Der Druck ist meiner Einschätzung nach immer vorhanden, auch wenn Millionen Menschen zuschauen. Schiedsrichter haben den Anspruch, jeden Match fehlerfrei zu leiten, an der WM ist das genau gleich.
Aber ob der FC Gossau spielt oder Brasilien, das ist doch nicht das Gleiche?
Die Bedeutung, die den Spielen zugeschrieben wird, ist unterschiedlich, das stimmt natürlich. Aber der Anspruch bei den Schiris ist wie erwähnt der Gleiche: Eine gute Leistung abliefern, keine Fehler machen, nach dem Schlusspfiff kein Thema sein. Der Druck ist medial sicherlich grösser, aber ob am TV 100 Millionen oder auf dem regionalen Fussballplatz 50 Personen zuschauen, ändert an den Grundprinzipien nichts. Ich muss den Schutz der Spieler:innen gewährleisten und das Spiel leiten. Wie schaffe ich es, 90 Minuten mit den Spieler:innen zu arbeiten und zu kommunizieren, sodass Vertrauen und Akzeptanz entstehen? Diese Akzeptanz wird umso wichtiger, je höher man als Schiedsrichter:in aufsteigt.
Wie beurteilst du die Einführung des VAR?
Der VAR macht den Fussball fairer. Punkt.
Der Schweizer Sandro Schärer wird an der WM ebenfalls pfeifen. Ist er ein Vorbild?
Logisch, er ist der erste Schweizer, der seit längerer Zeit international sehr erfolgreich ist, war Vierter Offizieller beim Champions League-Final und hat in dieser Saison zum Beispiel das Spektakel-Spiel zwischen Bayern München und PSG geleitet. Man orientiert sich natürlich an Top-Schiedsrichtern aus dem eigenen Land und nimmt dies als Ansporn. Ich bin gespannt, bei welchen Spielen er eingesetzt wird.
Was sagst du zu den Bodycams, die im Regionalfussball im Einsatz sind?
In der Ersten Liga wird keine Bodycam eingesetzt. Es gibt aber regionale Verbände, die diese Bodycams einsetzen, um Schiedsrichter:innen vor verbalen und physischen Angriffen zu schützen. Beim diesjährigen Männer-Cupfinal trug der Schiri übrigens eine «RefCam», die nichts mit der Sicherheit zu tun hat, sondern die Perspektive des Schiris zeigt. SRF hat die «RefCam» immer wieder als zusätzliche Perspektive im Live-Programm übernommen.
Wer wird Weltmeister?
(denkt nach) Ein Land, das niemand auf dem Schirm hat.
Thematisierst du die WM im Unterricht?
Nein, nicht speziell, aber ab und zu reden wir alle über die WM. Wenn dann die Frage kommt «was sagen Sie zu diesem Penalty?», dann müssen wir natürlich darüber reden. (lacht)