«Es gibt kein Richtig oder Falsch»

Nicole Magron ist seit zwei Wochen die erste Schulsozialarbeiterin an der KUE. Instagram hat sie nicht, dafür liest, kocht und töpfert sie gerne.

Zum Fototermin kommt das türkis-hellblaue Velo, das zufällig hinter Nicole Magron beim Café Friedis in Uetikon steht, gerade recht. Denn erstens ist Nicole Magron selbst Bikerin, und zweitens ist ein Velo schnell, flexibel und niederschwellig im Gebrauch. Und so versteht sie auch ihre Arbeit an der KUE.

Seit zwei Wochen ist sie die erste Schulsozialarbeiterin der KUE, und man sieht ein bisschen Stolz in ihren braunen Augen. «Gymnasien in anderen Kantonen sind ja eher etwas im Verzug, so im Stil: Die Gymnasiast:innen sind alt genug, die können ihre Probleme selbst lösen, aber der Kanton Zürich macht hier vorbildlich vorwärts», meint sie mit einem Schmunzeln.

Probleme immer selber lösen – schön wärs. «Knatsch in der Klasse, Ärger mit Noten, Druck und Ängste – da braucht es oft eine Aussensicht, eine erste Analyse, eine Mediation oder ein Aufgleisen von weiteren Schritten», sagt Nicole Magron.

Täglich ist sie deshalb für alle KUE-Angehörigen erreichbar, sogar für die Eltern der Schüler:innen. Ihre Bürotür im Zimmer C 211 ist meist offen (weitere Infos hier). «Zu mir können alle kommen», lacht sie, «es gibt kein Richtig oder Falsch.» Bei Klassengrössen von bis zu 28 Schüler:innen sei es ja logisch, dass nicht alle gleich von den Lehrpersonen gehört werden. Und die Jugendzeit sei anspruchsvoll, gerade auch heute, Stichworte KI oder aktuelle Weltlage.

Mit Jahrgang 1998 ist sie noch relativ nahe bei den Schüler:innen. Sie unterscheidet sich aber auch von ihnen: «Social Media habe ich nicht, das gefällt mir nicht», erzählt sie. In der Schule habe sie einmal kurz Instagram gehabt, aber schon bald wieder gelöscht. «Social Media sind sicher eine der Ursachen für Probleme bei den Jugendlichen; ein Grossteil ihres Lebens findet online statt – immer schneller, immer besser und immer weiter weg von der realen Welt», meint sie, die kein TV-Gerät hat, dafür in der Freizeit gerne kocht und töpfert.

Anstatt sich zu Tode zu scrollen liest sie auch sehr gerne, zum Beispiel Fachliteratur, aber auch Psychothriller, einer ihrer Lieblingsautoren ist Sebastian Fitzek. Momentan ist auf ihrem Stapel gerade Agota Lavoyers «Jede_Frau», ein Buch, das sich mit sexualisierter Gewalt gegen Frauen beschäftigt.

Ursprünglich hat Nicole Magron das KV im Kanton Luzern auf einer Bank absolviert, aber es fehlte ihr den Umgang mit Menschen, es war zu unpersönlich. Also hat sie die Berufsmatura gemacht und dann bis 2023 an der Hochschule Luzern Soziale Arbeit studiert. Parallel war sie Klassenassistentin in einer Luzerner Primarschule. Nach einigen beruflichen Zwischenstationen ist sie nun für die Arbeit in Uetikon mit ihrem Partner nach Meilen gezügelt.

Die Zeit vergeht im Flug, der Kaffee ist getrunken, und der Sänger Marc Sway biegt auch noch zufällig um die Ecke. Zurück bleibt das türkis-hellblaue Velo – schnell, flexibel, niederschwellig im Gebrauch.