Führt die Begeisterung für die WM zu besseren Gemeinschaftserlebnissen oder zu weniger Konzentration im Unterricht? Unterscheiden sich die Wahrnehmungen von Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern stärker, als man erwartet?
Die WM bringt Nationen, verschiedene Kulturen und Menschen aller Art zusammen. Wie sieht das in der KUE aus? Ich wollte das mit einer Umfrage herausfinden, die über Teams durchgeführt wurde. An der Befragung nahmen rund 16 Prozent der Lehrpersonen sowie rund 8 Prozent der Schülerinnen und Schüler teil. Die Umfrage diente der Erhebung der Meinungen und Erfahrungen der Teilnehmenden.
Nur 8 Prozent der teilnehmenden Schüler:innen interessieren sich überhaupt nicht für die WM, während 70 Prozent die wichtigsten Spiele verfolgen und die restlichen 22 Prozent jedes Spiel schauen. Bei den Lehrpersonen sieht es ähnlich aus, mit drei Vierteln, die schauen, und den restlichen, die sich fast gar nicht für die Spiele interessieren.
Die Begeisterung hat jedoch ihren Preis: Rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler bleiben wegen wichtigen Partien länger wach, als sie sollten, während 30 Prozent es nicht einmal riskieren, ein Spiel zu verpassen. Das merken die Lehrerinnen und Lehrer, denn fast 90 Prozent der befragten Lehrpersonen berichten, dass die Schüler:innen nach Abendspielen müder wirkten und weniger gut im Unterricht konzentriert seien. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass 50 Prozent der Schüler:innen gar keinen, während die restlichen einen massiven Unterschied merken.
Beide Gruppen stimmen aber zu, dass die WM viele positive Aspekte hat. Sie schafft gemeinsame Gesprächsthemen und bringt Menschen zusammen. In den Pausen wird über Tore, Überraschungen und Lieblingsmannschaften diskutiert.
Drei Viertel der Lehrer:innen greifen das Thema im Unterricht auf und nutzen es als Beispiel. Neben der Begeisterung gibt es aber auch viele kritische Stimmen, denn einige Schüler:innen berichten, dass sie Angst haben, etwas zu verpassen, wenn sie das Spiel nicht schauen. Andere fühlen sich nach Fussballabenden erschöpft. Lehrpersonen nennen zudem Diskussionen und Streitigkeiten über Mannschaften als mögliche Nachteile.
Interessant ist, dass die Meinungen zur Klassengemeinschaft auseinandergehen. Während viele Schülerinnen und Schüler die WM als verbindendes Erlebnis wahrnehmen, sehen die meisten Lehrpersonen keinen grossen Einfluss auf den Zusammenhalt der Klassen. Insgesamt sehen wir, dass die Weltmeisterschaft unseren Schulalltag stärker prägt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Sie sorgt für Begeisterung, Gespräche und gemeinsame Erlebnisse, bringt gleichzeitig auch Ablenkung und Müdigkeit mit sich. Die WM verändert unseren Schulalltag nicht grundlegend, hinterlässt aber während des Turniers deutliche Spuren im Schulalltag.
Anastasia Brika, 3f