Global-digitaler Afrobeat
Fabian Carisch, wie würdest du den Sound von Orchestra Konkolo beschreiben?
Unser Sound lebt vom Groove, er durchzieht unsere Musik wie ein dicht geflochtenes Netz; energiegeladen und durchsetzungsstark, und gleichzeitig leichtfüssig und tänzerisch. Dazu kommen rhythmische, präzise Bläser im Zusammenspiel mit der dynamischen Stimme unserer Leadsängerin Nongoma. Es ist eine Musik, die musikalisch komplex und zugleich tanzbar ist.
Du hast gesagt, es sei ursprünglich eine Art digitales Orchester. Kannst du das erklären?
Bandleader Alexis «Lex» Malefakis und ich kennen uns schon länger – wir haben 2016 die Vorgängerband «The Anthronauts» gegründet. Die Band hatte vor Corona einige tolle Konzerte, war aber ziemlich hobbymässig aufgestellt und kam eher schleichend vorwärts.
Lex hatte irgendwann Lust auf mehr und nahm parallel ein Album auf, mit einer Band, die als solche gar nicht existierte: Als Multiinstrumentalist nahm er Gitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug selber auf, Perkussion, Gesang und Trompete wurden von Musiker:innen in Berlin, Ghana und der Schweiz eingespielt und an einem Samstagvormittag stand ich mit dem Saxophon vor dem Mikrofon. Im Computer wurden die Aufnahmen dann kombiniert, in Barcelona gemischt und von einem Schweizer Label herausgebracht. Zwei Wochen später hatten wir mehrere Hunderttausend Streams auf Spotify und eine Einladung fürs Montreux Jazz Festival, ohne dass es zu dem Zeitpunkt überhaupt eine Band gab!
Das zeigt schön, wie sich die Musikszene durch die Digitalität verändert hat.
Ja, der lange Weg des Bekanntwerdens mit dutzenden Konzerten vor halbleeren Säälen lässt sich gewissermassen überspringen, wenn man im Netz erfolgreich ist (nicht, dass wir nicht auch schon vor halbleeren Säälen gespielt hätten...).
Wie hast du das Montreux Jazz Festival erlebt?
Das war vor allem deshalb krass, weil wir mit Leuten, die sich noch gar nicht kannten, nach drei Proben für eine Stunde Musik auf der Bühne standen. Insofern war es ein bisschen schwierig, alles zu geniessen, wir waren zu überwältigt vom Tempo der Ereignisse. Aber speziell war schon, im Backstage auf Musikergrössen zu treffen und an der berüchtigten After-Hour Jamsession dabei zu sein, bei der auch einige Jazzlegenden schon auf der Bühne standen.
Welchen Bezug hat das Orchester zu Zürich?
Keinen besonderen. Die meisten Bandmitglieder wohnen dort und wir spielen hier auch ab und zu Konzerte, aber man kennt uns hier lokal weniger. Unsere Hörer:innen sind eher online zu finden und kommen aus allen Regionen der Welt, viele aus grösseren, musikalisch starken Städten wie London, Paris oder New York, aber es gab auch schon Klicks aus Papua-Neuguinea und sonst jedem Land der Welt. Dies liegt daran, dass das Streaming global aufgestellt ist und der Tatsache, dass Afrobeat als Musikstil eher ein Nischenphänomen ist, wenn auch eines, das sich wachsender Beliebtheit erfreut.
Im Oktober 2025 hattet ihr eine Million Streams auf Spotify. Ist das auch finanziell lukrativ?
Nein. Streaming braucht enorm hohe Zahlen, um sich finanziell zu lohnen. Wir bekommen davon vielleicht 100 Franken pro Monat. Die grössten Einkünfte kommen aus den Gagen der Live-Konzerte. Aufgeteilt auf die zwölf Leute in der Band reicht das, um die Ausgaben zu decken und für einen kleinen Zustupf. Einen Nachmittag pro Woche Glacé zu verkaufen würde sich aber wohl besser auszahlen.
Inwiefern befruchten sich deine Tätigkeiten bei Konkolo und als Musiklehrer bei der KUE?
Einerseits hält mich das Konkolo Orchestra musikalisch fit, ich kann auf professionellem Level Musik mitdenken und mitgestalten. Und es gibt mir Motivation, den Schüler:innen das Erlebnis Musik näher zu bringen, weil mich diese selber immer wieder glücklich macht. Andererseits ist es für mich, auch wenn das vielleicht absurd klingt, ein Ausgleich von meinem Beruf als Musiklehrer; es ist zwar immer Musik, aber in der Band bin ich Teil einer gleichberechtigen Gruppe und ein Zahnrad im System, während ich als der eine Lehrer vor der Klasse immer wieder die Fäden zusammenhalten muss. Und gerade dieser Ausgleich hilft dabei mit, dass ich immer wieder gerne in die Schule komme und immer wieder gerne auf der Bühne stehe.
Konzert am Vorstadt Sounds in Zürich am Freitag, 29. Mai, 22.15 Uhr: https://www.vorstadtsounds.ch/lineup-2026
https://www.instagram.com/konkolo_orchestra/