Komponieren mit Kippeffekt

Kann man Musik «sehen»? Ja! Ein Musikkurs der Klasse 5b baute einen Kanon mit bunten Dominosteinen.

 

«Ein Kanon ist eigentlich eine simple Angelegenheit. Fast jede/jeder kennt das Kinderlied Bruder Jakob: Die Stimmen setzen nacheinander ein, die Melodie bleibt dabei immer gleich. Spannend ist, dass diese eine Melodie, wenn sie mehrstimmig erklingt, plötzlich eine Harmonie bildet», erzählt Musiklehrerin Esther Keller, die den Musikkurs der 5b leitet.  

Das Prinzip lasse sich auf Popsongs übertragen: «Viele bestehen häufig aus nur vier Akkorden und eignen sich deshalb gut für einen Kanon. Doch dabei merkt man beim Hören oft, dass es nicht immer gut klingt, wenn die Popmelodie einfach zeitversetzt übereinander gesungen wird.» So habe sich der Kurs die Frage gestellt: Wie plant man mit Dominosteinen einen Pop-Kanon, der gut klingt, spannend bleibt und trotzdem funktioniert?

Der Kurs hat Ideen gesammelt und schliesslich den Kanon «gelegt». «Dabei entstand das Bild einer langen durchlaufenden Kette mit Verzweigungen und Abschnitten in verschiedenen Farben und Strukturen», erzählt Esther Keller. Als «Special-Effect» hätten die Gruppen eine Ostinato-Linie entworfen, die immer gleichblieb und sich parallel zum Kanon ständig wiederholt habe. «Und plötzlich waren wir mitten in den Kompositionsprinzipien des Barock – wohin uns Dominosteine führen können», lacht Esther Keller.  

Aus den einfachen Dominostein-Mustern habe sich eine Vielzahl eigener Kompositionen entwickelt, von denen einige bereits mit den Erst- und Zweitklässler:innen gesungen werden konnten. Am Schluss haben die 5b-Schüler:innen das Lied dann auch selbst «erklingen» lassen, indem sie die Dominosteine purzeln liessen.