Organisiert hat die Wahl die ZHAW, die seit 2017 auch das Schweizer Wort des Jahres bestimmt. Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren konnten Wörter einreichen. Pro Sprachregion wählte danach eine Jury aus Jugendlichen die drei Favoriten. Die ZHAW gab die Ergebnisse am 27. Oktober bekannt.
Platz 1 belegt «würd mi» – der Ausdruck ist reine Mundart und geht auf keinen Internettrend zurück. Auf Platz 2 landete «nöd so deep», auf Platz 3 «peak».
Vier Sprachen, vier Gewinnerwörter
Erstmals wurde in allen vier Landessprachen gewählt:
- Deutsch: «würd mi»
- Französisch: «goumin» (Liebeskummer, ursprünglich aus dem ivorischen Slang Nouchi)
- Italienisch: «aura» (Charisma einer Person)
- Rätoromanisch: «bursa» (wörtlich Portemonnaie, ironisch für «Trottel»)
Zwei Stunden, elf Jugendliche, viele Dialekte
Violet Herbert war eine von elf Jurymitgliedern zwischen 14 und 19 Jahren. Die Auswahl begann mit einer Liste von rund 150 Wörtern, die in mehreren Runden schrumpfte. «Es war an sich nicht schwierig, aber ein langer Prozess, der nicht als Einzelperson bestritten wurde, sondern als Team», sagt Violet. Die Diskussionen seien «eigentlich sehr lustig» gewesen, weil niemand je so viele Jugendwörter auf einmal gehört hatte. Ernster wurde es erst am Schluss, als alle ihr Lieblingswort durchbringen wollten.
Bei der letzten Auszählung unterlief der Jury ein Fehler: Kurzzeitig galt «nöd so deep» als Sieger. Beim Nachzählen setzte sich «würd mi» durch. Die vielen Dialekte erklären auch die Schreibweise «würd mi» statt «würd mich».
Violets Favorit war anfangs das englische «cooked». Am Ende war ihr wichtiger, dass das erste Schweizer Jugendwort ein schweizerdeutsches wird. «Das deutsche Jugendwort ist sehr allgemein», findet sie. Das deutsche Jugendwort 2026, «Ragebait», biete weniger persönliche Identifikation als ein schweizerdeutsches oder rätoromanisches Wort. Die Jury gab nach der Sitzung Interviews, vier Jugendliche sprachen mit der Tagesschau, andere mit Radio SRF 3.
Ein Blick über den Röstigraben
Besonders spannend fand Violet den Vergleich der Sprachregionen. Die rätoromanischen Jugendlichen wählten nur Wörter in ihrer eigenen Sprache. Die Italienischsprachigen entschieden sich als Einzige ausschliesslich für Anglizismen, und «aura» war 2024 schon das deutsche Jugendwort. «Ich finde es spannend zu sehen, dass es immer noch präsent ist.»
Ihren Tipp für die nächste Jury gibt sie gleich mit: eine breite Mischung aus Kantonen und Dialekten, gern auch Jugendliche der Gen Alpha, die nötige «Geduld» sowie die Bereitschaft, den eigenen Favoriten verlieren zu sehen.