LEICHTE BEUTE

Sie halten sich am handy fest

Was ist und war
ist abrufbar
mit der fingerkuppe

Doch sie wissen schon nicht mehr,
was sie nicht mehr wissen

                                               Reiner Kunze

 

Dass uns Handys und andere elektronische Geräte in ihren Bann ziehen können, ist bekannt. Wir alle sind manchmal eine «leichte Beute» für die digitalen Verlockungen. Diesen Aspekt der Handys erwähnte Prorektor Jürg Berthold bereits im letzten Wochenbrief und erklärte, wie wir an der KUE darauf zu reagieren gedenken.

Reiner Kunze spricht in den letzten beiden Versen seines Gedichts («sie wissen schon nicht mehr, / was sie nicht mehr wissen») noch eine andere Frage an, die uns als Schule ganz fundamental betrifft. Es geht darum, wie wir mit all den leicht verfügbaren Informationen umgehen, welche uns das Internet bietet.

Was man nie richtig verinnerlicht hat, kann man gar nicht vergessen, weil es gar nie im Gedächtnis verankert war. Was ich aber gedanklich durchdrungen habe, das verschwindet nicht ganz aus meinem Kopf. Ein Beispiel: Ich erinnere mich, dass in meinem Chemie-Unterricht - vor langer Zeit - über die Herstellung von Seife gesprochen wurde. Erklären könnte ich heute den Vorgang nicht mehr, aber ich weiss, was ich vergessen habe und wäre noch fähig, einzelne Stichworte zu nennen.

Wenn unsere Schülerinnen und Schüler die digitalen Geräte nur verwenden, um Informationen zu sammeln und allenfalls copy/paste irgendwo elektronisch zu speichern, dann ist das verlorene Zeit. Der Fundus des Internets muss so verwendet werden, dass die Informationen zu eigenem Wissen verarbeitet werden.

Unsere Aufgabe als Schule besteht deshalb darin, die Schülerinnen und Schüler in eine Auseinandersetzung mit Daten zu bringen. Sie sollen sich Informationen aneignen, indem sie diese kritisch prüfen, bewerten und mit ihrem Vor-Wissen in Verbindung bringen.

Daten aus dem Internet sind wertlos, wenn sie nur als «leichte Beute» wahrgenommen werden.

 

Martin Zimmermann, Rektor

Wochenbrief 18_46