Das Geheimnis von Pacing – Finde dein ideales Tempo

Man ist euphorisch, man überschätzt sich und dann ist plötzlich Schluss. Die Luft ist raus. Wie die Methode von Pacing da helfen kann und was dies mit Schule zu tun hat, erfährt man im aktuellen Wochenbrief.

Das neue Schuljahr hat begonnen und sowohl Schüler:innen als auch Lehrpersonen und Verwaltung sind aus den Startlöchern gesprungen. Die Motivation ist hoch und die Verlockung gross, gleich von Beginn weg mit voller Energie zu starten. Das Problem – diese Anfangsenergie aufrechtzuerhalten ist enorm schwierig und erfordert viel und gezieltes Training.

In diesem Zusammenhang ist die Methode des Pacings sehr interessant und kann uns Vorbild sein, um unseren Lauf an der KUE erfolgreich zu vollenden – egal mit welchem Tempo wir schlussendlich durch die KUE-Laufbahn gehen. In der Laufwissenschaft unterscheidet man zwischen aeroben und anaeroben Bereichen. Im aeroben Bereich nimmt man mehr Sauerstoff auf, als benötigt wird, und man kommt daher nicht in ein Sauerstoffdefizit und man kann deshalb länger in diesem Bereich trainieren. Dies ist ideal für Ausdauertrainings und notwendig, um diese Trainings auch erfolgreich beenden zu können. Im anaeroben Bereich hingegen nimmt man mit der Lunge und dem Blutkreislauf nicht so viel Sauerstoff auf, wie es nötig wäre unter dieser intensiven Belastung, und man kommt somit in ein Sauerstoffdefizit. Dies ist der Fall für kurze, intensive Trainingseinheiten wie z.B. Intervalltrainings oder HIIT, bei welchen die Belastung aber nach kurzer Zeit wieder gesenkt wird. Sollte die Belastung jedoch nicht nach kurzer Zeit wieder gesenkt werden und die Belastungsschwelle überschritten werden, muss man mit einem Leistungsabfall rechnen und einem eventuellen Abbruch eines Trainings oder gar eines Laufes.

Ein Beispiel eines solchen Leistungsabbruches ist die Geschichte eines 20-jährigen, der den Zürich Marathon bestritt, ohne wirklich dafür trainiert zu haben. Tragischerweise musste er den Marathon zwei Kilometer vor Schluss abbrechen, da seine Energiereserven aufgebraucht waren und der Körper zusammengebrochen ist.

Wie kam es dazu? Ich kann nur meine Hypothese aufstellen: Der junge Mann wurde vermutlich vom jüngsten Trend mitgerissen, einen (Halb)Marathon ohne jegliches Training zu absolvieren und dies mit einer möglichst tiefen Laufpace – denn alles andere ist nicht «stark» genug. Schlussendlich hat er die Rechnung damit bezahlt, dass er den Lauf gar nicht erst beenden konnte.

Was können wir aus dem lernen?

Es ist daher nicht ratsam, ohne Training einen (Halb)Marathon zu rennen, sondern unsere Körper mit gezieltem Training an die gewünschte Pace zu akklimatisieren. Um dies zu erreichen, muss das Training ganz viele, diverse Trainingseinheiten beinhalten, die in einem harmonischen Zusammenspiel die gewünschte Wirkung erzielen. Zu diesen Trainingseinheiten gehören zum einen Intervalltrainings mit hoher Intensität, die die Spritzigkeit fördern. Zum anderen braucht es lange Läufe mit tiefer Herzfrequenz, welche die Sauerstoffzufuhr verbessern und die Ausdauer fördern. Und nebst noch anderen Trainingseinheiten darf man nicht das Wichtigste vergessen – die Regenerationszeit. Das Einplanen von Pausen ist Schlüssel zur Vorbeugung von Verletzungen und Einbrüchen.

Die Schule ist genauso ein Trainingsfeld wie die Laufstrecke. Für Gewisse hat der Lauf an der KUE soeben im Lang- oder Kurzzeitgymnasium begonnen. Andere befinden sich im Schlussspurt und rennen auf die Matura zu. Egal wo man gerade im Gymnasium steht, ist es wichtig, nicht darauf zu achten, was die anderen gerade tun, sondern seine eigene Pace zu finden und diese gezielt zu trainieren, um schlussendlich die Ziellinie erfolgreich zu überschreiten – egal wie lange man braucht.

Deborah Grunder
Lehrerin für Französisch

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