Erfahrungen jenseits des Tellerrandes

Was ein Besuch im Bundesasylzentrum mit dem Pride-Month zu tun hat, erfahren Sie im aktuellen Wochenbrief.

Gestern haben Sophia, Marie und Kayla von ihrem Besuch im Bundesasylzentrum in Zürich berichtet, wo sie im Rahmen des KUEGivesBack-Projekts einen Nachmittag mit einer Gruppe von Kindern gespielt haben. Die Kinder waren glücklich über den Ausflug zum Spielplatz, pusteten begeistert die von den Mädchen mitgebrachten Seifenblasen und genossen das wegen der Sprachschwierigkeiten leicht improvisierte UNO-Spiel.

Dass die drei Schüler:innen den Kindern Freude bereitet haben, ist ein schönes Ergebnis des Projekts. Im Gespräch betonten die Schüler:innen aber, dass der Besuch vor allem auch für sie selbst sehr wichtig gewesen sei: Sie hätten so vieles mitgenommen. Sie hätten gesehen, dass es nur den wenigsten so gut geht wie ihnen, sie hätten einen Eindruck von der Lebenssituation der Geflüchteten im Asylzentrum erhalten und den grossen Einsatz der Sozialarbeiter:innen im Heim beobachten können. Auch ein Konflikt zwischen den geflüchteten Männern und Frauen, den sie mitbekommen hatten, hatte sie beeindruckt.

Die Erlebnisse von Sophia, Marie und Kayla sind ein sehr gelungenes Beispiel für das KUEGivesBack-Projekt, das den Schüler:innen der 3. Klassen im Frühlingssemester aufträgt, eine Projektidee zu kreieren und zu planen, mit der sie einen positiven Beitrag für die Gesellschaft und Natur leisten. Dieses Sozialprojekt stellt hohe Anforderungen an die Jugendlichen, weil sie sich selbstständig organisieren und innerhalb eines längeren Zeitraumes ihr Vorhaben planen und durchführen müssen. Das Projekt fördert also die Erfahrung von Selbstwirksamkeit.

Es zielt aber auch auf Offenheit, denn es hat vor allem den Effekt, dass die Schüler:innen über ihren eigenen Tellerrand und ihre jugendliche Welt hinausblicken müssen. Sie lernen Menschen kennen, mit denen sie sonst nicht so viel zu tun haben, sie bekommen im besten Fall Einblick in Bereiche der Gesellschaft, die für sie fremd sind. Diese Offenheit kommt im ersten Satz der KUE-Charta vor, mit dem wir als Kollegium ein hehres Ziel vertreten:  Als KUE haben wir uns verpflichtet, einen «Beitrag zu leisten zu einer gerechteren, toleranteren und offeneren Gesellschaft».

Jetzt, im Pride-Monat Juni, haben wir diesen Satz auf einem 10 Meter langen Banner an unser Schulhaus gehängt. Wir möchten damit – wie viele andere Institutionen auch – zeigen, dass wir uns als Schule für eine Welt einsetzen, in der die Menschenrechte für alle gelten, in der jede Person die Freiheit haben sollte, so zu leben und zu sein, wie sie ist, ohne Angst vor Ausgrenzung, Diskriminierung oder Gewalt. Empathie und Toleranz werden übrigens auch im Maturitätsanerkennungsreglement als Bildungsziele genannt, wenn dort über Maturand:innen steht: «Sie sind bereit, Verantwortung gegenüber sich selbst, den Mitmenschen, der Gesellschaft und der natürlichen Umwelt wahrzunehmen».

Die Entwicklung von Offenheit ist der erste Schritt in diesem Prozess.

Eugenie Bopp