Gelegenheiten, das Mutigsein zu lernen

Schule erfordert Mut und versucht, ihn zu fördern. Mehr dazu im aktuellen Wochenbrief.

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Das diesjährige Frühlingskonzert, organisiert von den Instrumental- und Musiklehrpersonen, war ein Genuss – aber nicht nur in musikalischer Hinsicht. Es war auch besonders schön zu sehen, wie mutig die musizierenden Schüler und Schülerinnen die Hürde des Auftritts vor Publikum in Angriff nahmen. Sie gingen ruhig nach vorne, kündigten ihr Stück oder Lied selbst an und meisterten mit Bravour ihren Vortrag. Allein an ihrem erleichterten Strahlen beim Applaus konnte man erkennen, dass im Vorhinein für den ein oder anderen die Idee, den Konzertabend durch den eigenen Beitrag zu bereichern, nicht nur Begeisterung hervorgerufen hatte.

Die meisten Menschen brauchen im Alltag Mut, wenn sie eine unbekannte Situation meistern müssen. Ohne Mut könnten wir nichts Neues erleben. Wie mutig wir sind, hängt mit unseren Persönlichkeitsmerkmalen zusammen. Verhaltensforscher haben festgestellt, dass zum Beispiel impulsive Menschen ihrer Angst weniger Raum geben und Risiken optimistischer einschätzen. Die Hürden für das Mutigsein sind also unterschiedlich hoch. Für die einen heisst Mutigsein, vor Publikum mit einem einstudierten Stück aufzutreten, für die anderen ist schon eine Wortmeldung im Unterricht ein mutiger Schritt. Die Erfahrungen, die wir in solchen Situationen machen, haben einen Einfluss darauf, wie mutig wir werden. Mutigsein lässt sich lernen – und auch wieder verlernen.

Schule ist ein Ort, an dem Mutigsein gelernt werden kann. Es gibt dazu unzählige Gelegenheiten: im Unterricht seine Meinung äussern oder auch nur einen Text vorlesen, eine Präsentation halten, debattieren oder ein Podium moderieren, ein Lied vortragen oder für ein Projekt ein Telefonat führen.

Wir möchten unsere Schüler:innen darin unterstützen, das Mutigsein einzuüben. Das passiert, indem Lehrpersonen die Hürde je nach Mut-Level unterschiedlich anpassen: Im Theaterstück kann auch eine kleine Rolle übernommen werden, Präsentieren wird zunächst in kleineren Gruppen geübt, in der Musik steht nicht der Auftritt an der Maturfeier am Anfang, sondern ein Pausenkonzert zum Beispiel im Rahmen der Advents-Pausenkonzerte. Und sie versuchen, die Schüler:innen darin zu bestärken, dass sie die Hürde bewältigen können. Idealerweise verstehen die Schüler:innen die gestellten Aufgaben nicht nur als «Trau dich!», sondern auch als «Ich traue dir das zu».

Ein wichtiger Unterstützungsfaktor in allen Situationen, die Mut erfordern, ist eine wohlwollende Atmosphäre, die so weit als möglich Sicherheit bietet. Am erwähnten Frühlingskonzert waren das Interesse und das Mitfiebern der Kolleg:innen und der Eltern im Raum spürbar, das Lob anschliessend war hörbar und die Wertschätzung in den überreichten Rosen sichtbar.

Eugenie Bopp

PS: Damit die Schülerinnen und Schüler der 3. Klassen sich entscheiden können, mit welchem Instrument sie in den nächsten Jahren vielleicht etwas zu den KUE-Konzerten beitragen könnten, finden auch in dieser Woche noch die Schnuppertage für den Instrumentalunterricht statt.