«Ich wollte mehr über Foils lernen.» So begründete eine Schülerin die Wahl des Themas ihrer Maturitätsarbeit. Es hätte statt Foils auch Roboterhunde, Altkleidercontainer, Azokupplung, alte Worte und moderne Werte, Glück oder Schweizer Landwirtschaft heissen können.
Am heutigen Tag der Maturitätsarbeitspräsentationen war immer wieder grosse Begeisterung über die Vielfalt der präsentierten Themen zu hören. Tatsächlich war es gar nicht so einfach, sich unter den parallel stattfindenden Präsentationen für eine zu entscheiden – zwangsläufig verpasste man andere spannende Einblicke. Jedes Jahr aufs Neue ist es eindrücklich zu sehen, wie breit das Spektrum der Fragestellungen ist, mit denen sich die Schüler:innen in ihren Maturitätsarbeiten auseinandersetzen, und wie viele kreative Projekte dabei entstehen.
Ein Blick in die Broschüre zeigt, dass sich gewisse Trends erkennen lassen. So finden sich zahlreiche Arbeiten, bei denen ein Thema im Vordergrund steht, von dem die Autorin oder der Autor persönlich betroffen ist. Beispiele dafür sind Arbeiten zu ADHS-Diagnosen, zum Stress unter Jugendlichen an der KUE oder zur Frage, wie sich die Raumgestaltung in Klassenzimmern auf das mentale Wohlbefinden auswirkt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich von Sport und Fitness. Untersucht werden das optimale Training, Mentaltraining oder der Leistungsdruck in verschiedenen Sportarten, die die Jugendlichen selbst ausüben.
Weitere Themen richten den Blick auf gesellschaftliche Fragen oder naturwissenschaftliche Problemstellungen unserer Zeit, die die Jugendlichen beschäftigen. So beleuchtet ein Schüler die Rechtsradikalisierung Jugendlicher im deutschsprachigen Raum, ein anderer untersucht die Synthese, Analyse und Anwendung der bereits erwähnten Azokupplung.
Die Aussage «Ich wollte mehr über … lernen» lässt gut mit den Überlegungen verbinden, die wir an unserer Retraite im vergangenen Herbst angestellt haben. Den ersten Tag stellten wir unter das Thema, wie die Schülerinnen und Schüler Lernprozesse mitgestalten und Lernen als sinnhaft erleben können. Im Zentrum stand unter anderem die Frage, wie Lernen nicht nur als Pflicht, sondern als persönlich bedeutsamer und aktiver Prozess erfahrbar gemacht werden kann.
In vielen Unterrichtsgefässen ist es nicht einfach, Partizipation, Sinnhaftigkeit und Selbstwirksamkeit für die Jugendlichen spürbar zu machen. In grossen Klassen, mit vorgegebenen Lehrplänen, unterschiedlichen Niveaus und begrenzter Zeit ist es oft anspruchsvoll, allen Jugendlichen echte Wahlmöglichkeiten zu eröffnen oder individuelle Interessen aufzugreifen.
In den Maturitätsarbeiten spiegeln sich diese Prinzipien hingegen wunderbar wider. Die erwähnten Beispiele zeigen, dass viele Schüler:innen Fragestellungen nachgehen, die sie persönlich betreffen, interessieren oder herausfordern. Sie übernehmen Verantwortung für ein langfristiges Projekt, treffen eigenständige Entscheidungen, setzen eigene Schwerpunkte und erleben konkret, dass ihr Engagement zu sichtbaren Ergebnissen führt.
Ich persönlich habe heute unter anderem mehr über Minecraft, den Umgang mit ADHS-Diagnosen, die Restitution von Kulturgütern und die Integration glutenfreier Speisen in der Schweizer Gastronomie gelernt.
Karin Hunkeler
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