Drei Prüfungen in einer Woche (in Biologie, Physik und Geografie), dazu Projektabgaben in Chemie und BG: Im Januar müssen sich viele Schüler:innen an der KUE um (zu) viele Leistungsnachweise kümmern. Das System Schule läuft heiss, die Schüler:innen sind gestresst, die Lehrpersonen auch – sie müssen all die Arbeiten beurteilen.
Die stressigen Prüfungsphasen werden von Schülerinnen und Schülern immer wieder genannt, wenn man sie um Rückmeldungen bittet. Sie sind aber kein KUE-spezifisches Phänomen, sondern ein Problem des gymnasialen Unterrichts, in dem sich ein «natürlicher» Rhythmus aus Erarbeitungs- und Übungs- und Überprüfungsphasen ergibt. Und da die Lernenden so viele Fächer parallel besuchen, fallen auch viele Prüfungen in den gleichen Zeitraum. Im Hinblick auf die Belastung der Schülerinnen und Schüler ist die eidgenössische Reform des Maturitätsreglements übrigens eine Enttäuschung, denn anstatt die Anzahl der Fächer durch mehr Wahlmöglichkeiten zu reduzieren, wurden zwei weitere Grundlagenfächer (Informatik und Wirtschaft und Recht) eingeführt. Um bei der Umsetzung der Reform dennoch auf die schon vor Jahren festgestellte Belastungssituation der Schüler:innen zu reagieren, empfahl im September 2024 der Bildungsrat, im Rahmen von WegZH die Ausweitung der Jahrespromotion auf alle vier Jahre des Kurzgymnasiums zu prüfen.
Bietet die Jahrespromotion einen Weg zur Entlastung der Schüler:innen? Die Erfahrungen in anderen Deutschschweizer Kantonen sind überwiegend positiv. Das wichtigste Argument ist, dass die Jahrespromotion eine ausgewogenere Verteilung der Prüfungen über das gesamte Schuljahr hinweg ermöglicht. Ausserdem wird mehr Spielraum für andere Beurteilungsmöglichkeiten, z.B. selbstständige umfangreichere Projektarbeiten, gegeben. Es gibt jedoch auch Nachteile. Zum Beispiel können bei der Jahrespromotion einzelne Prüfungen mehr Gewicht erhalten, falls zwar die Anzahl Prüfungen, nicht jedoch der Umfang des Prüfungsstoffs reduziert wird.
Das Kollegium der KUE hat sich Auswahl und Reduktion auf die Fahnen geschrieben (Punkt 10 der Charta). Im schulischen Alltag ist das Ziel, den durch die Jahrespromotion geschaffenen Spielraum optimal zu nutzen, dennoch nicht einfach zu erreichen. Denn durch weniger Prüfungen oder Leistungserhebungen wird zwar der Druck auf die Schüler:innen gemindert. Andererseits aber besteht der Anspruch, dass die Zwischenbeurteilung zum Semesterwechsel eine gewisse Aussagekraft haben sollte, da sie den Schüler:innen eine Rückmeldung zu ihrem Leistungsstand geben soll. So entsteht ein Spannungsfeld, in dem jede Lehrpersonen ihren Weg finden und Entscheidungen treffen muss. Daher kann es trotz der Jahrespromotion zu intensiven Prüfungsphasen kommen – wie uns auch die Eltern eines Schülers neulich schrieben.
Bei dem Blick auf die eingangs genannten vielen Prüfungen und Abgaben gilt es jedoch auch zu berücksichtigen, dass Abgabetermine für Projektarbeiten meist seit Beginn des Semesters feststehen und das Zeitmanagement als Teil des Arbeitsprozesses unter die zu erlernenden Kompetenzen fällt. Und was Schüler:innen manchmal nicht so klar ist: Die Ferien können zumindest ab dem Ende der obligatorischen Schulzeit nicht mehr voll als Freizeit genutzt werden – gleichaltrige Lehrlinge haben nicht 13, sondern nur 5 Wochen Ferien.
Unsere Klassenlehrpersonen versuchen, durch Prüfungspläne den Schüler:innen zu einem Überblick zu verhelfen und die anstehenden Prüfungen möglichst gleichmässig zu verteilen. Das Wichtigste bleibt – wie immer – die Kommunikation. Die Lehrpersonen können auf die Zeitnot der Schüler:innen reagieren, wenn diese auf sie zugehen und das Gespräch suchen.
Eugenie Bopp
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