Kein frivoler Schabernack

Im aktuellen Wochenbrief geht es um Experimente, Unterricht, Verantwortung und Politik.

«Für die nächsten Wochen erhalten die 4. Klassen im Rahmen eines Bioprojekts ein Stück Erde, auf dem sie eigene Forschungsprojekte ihrer Wahl durchführen können.» Dieser Satz aus dem letzten Wochenbrief von Jürg Berthold löste bei mir eine Erinnerung aus.

In der Biologie hatte unsere Klasse vor mehr als 40 Jahren die Aufgabe bekommen, eine Versuchsreihe anzulegen. Wir sollten testen, wie sich gewisse Pflanzen unter verschiedenen Bedingungen, die wir selber bestimmen konnten, entwickeln (z.B. viel Licht vs. wenig Licht, Kälte vs. Wärme, viel Wasser vs. wenig Wasser etc.).

An die detaillierten Ergebnisse erinnere ich mich nur noch ungenau. Ganz stark ist mir hingegen ein Feedback unseres Biologielehrers geblieben. Wie er zwei Mitschüler bei der Besprechung des erwähnten Experiments zurechtwies, hat mich bis heute geprägt.

Der Biologielehrer reagierte nämlich wütend und entsetzt auf die Versuchsanlage der beiden Kollegen. Sie hatten den Pflanzen statt Wasser Whisky gegeben und wollten die Wirkung beobachten. So etwas gehe gar nicht. Forschung ohne begründete Hypothesen und eine Ausrichtung auf ein sinnvolles Ziel sei wertlos und menschenverachtend, sagte der Lehrer. Mit dem Leben spiele man nicht.

Diese klare Haltung beeindruckte die Klasse, und von da an war der Respekt für den Biologen und Lehrer merklich gestiegen. Wir hörten ihm nach diesem Vorfall anders zu als vorher.

Im Biologie-Lehrplan der KUE findet man die gleichen Werte, für die mein ehemaliger Lehrer damals stand:

«Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass ein respektvoller Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen und ein ethisch verantwortungsvolles Handeln eine Voraussetzung für die Lösung der anstehenden lokalen und globalen Probleme unserer Zeit sind.»

In den neuen Papieren zur «Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität» stehen sogar noch deutlichere Formulierungen. Im Kapitel über Nachhaltigkeit in Bildung und Unterricht heisst es: «Sekundarschulen und speziell Gymnasien sind im Sinne der Förderung der vertieften Gesellschaftsreife angehalten, auch zur sozial-ökologischen Transformation in Richtung Nachhaltigkeit beizutragen.»

Die Aufgaben, die man der Schule zuweist, umfassen nicht nur Stoffvermittlung und Persönlichkeitsbildung. Man erwartet von uns auch, dass wir bei den zukünftigen Generationen ein umfassendes Verantwortungsgefühl aufbauen. Es geht um den Schutz des Lebens und die Gestaltung des Zusammenlebens. Das ist Politik in einem ganz ursprünglichen Sinn.

Martin Zimmermann

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