Neulich bat mein Sohn, das Programm Scratch runterladen und programmieren lernen zu dürfen. Nach einigen YouTube-Tutorials haben wir unser erstes Projekt in Angriff genommen. Eine Pac-Man-Figur sollte sich bewegen und Punkte fressen, während kleine Geister versuchten, Pac-Man zu fangen. Kurze Zeit später bewegten sich die ersten Figuren wie programmiert. Wir waren begeistert und auch ein bisschen stolz. Gleich beim ersten Versuch war es uns gelungen, eine kurze Spielsequenz zu programmieren.
Seymour Papert, ein von Piaget beeinflusster Professor am MIT, formulierte in den 1970er-Jahren das Konzept «low floor, high ceiling» für die Entwicklung von Technologien zur Unterstützung des Lernens. Demnach sollte eine Technologie Anfänger:innen einen einfachen Einstieg ermöglichen (low floor), aber auch Möglichkeiten bieten, mit der Zeit an immer anspruchsvolleren Projekten zu arbeiten (high ceiling). Mit der von ihm entwickelten Programmiersprache Logo können Kinder beispielsweise mit dem Zeichnen einfacher Quadrate und Dreiecke beginnen und mit der Zeit immer komplexere geometrische Muster erstellen. Mitchel Resnick, ebenfalls Professor am MIT, fügte der Designmetapher das Element der «wide walls» hinzu: die Idee, dass durch breite Wände viele verschiedene (Lern-)Wege vom Boden bis zur Decke führen können.
Genau diese Form der Individualisierung möchten wir unter anderem mit unseren POOL-Projekten fördern. In diesem Gefäss definieren Lehrpersonen stufengerechte Projekte, an denen Schüler:innen während eines bestimmten Zeitraums selbstständig oder in Gruppen arbeiten. Die Projekte können auch fächerübergreifend angelegt sein. Das «P» steht dabei je nach Ausrichtung für problem-, produkt- oder prozessorientiert. Im Stundenplan werden dafür nach Möglichkeit grössere Zeitblöcke reserviert.
Ein konkretes Beispiel: Im vergangenen Frühling setzte die Englischlehrerin Chantal Imhof mit den Klassen 5b und 5e ein Theaterprojekt um. Die Schüler:innen hatten im Englischunterricht das Stück «The Curious Incident of the Dog in the Night-Time» von Simon Stephens gelesen. Das Stück erzählt die Geschichte eines autistischen Jungen auf der Suche nach Identität. In der Creative Hall der KUE gestalteten die Schüler:innen danach in Gruppen Dioramen (dreidimensionale Schaubilder einzelner Szenen) oder produzierten kurze Filme. So befassten sich die Schüler:innen spielerisch mit dem Stück und entwickelten unterschiedliche Aspekte weiter. Die Ergebnisse waren beeindruckend. Mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail sind aussagekräftige Arbeiten entstanden. Im selben Zeitraum wurde das preisgekrönte Drama im Theater Seefeld in Zürich vom Zurich English-Speaking Theatre aufgeführt. Unsere Schüler:innen durften ihre Dioramen im Foyer des Theaters ausstellen und besuchten selbstverständlich auch eine der Aufführungen.
Aktuell arbeitet die Didaktikkommission – die aus Vertreter:innen verschiedener Fachbereiche besteht – schwerpunktmässig an der Weiterentwicklung des POOL-Konzepts. Dabei werden auch aktuelle Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, die geplanten Räumlichkeiten unseres neuen Schulhauses am See sowie die Reform Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität (WEGM) berücksichtigt.
Wenn Sie weitere Projekte entdecken und Einblicke in unseren Unterricht sowie das Schulleben erhalten möchten, besuchen Sie unsere Webseite. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Stöbern.
Karin Hunkeler
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