Neue Berufsbilder – auch an den Schulen

Neue Berufsbilder auch an den Mittelschulen! Gedanken von Sara Alloatti, Lehrerin für Italienisch an der KUE und Fachdidaktikerin, im aktuellen Wochenbrief.

Smart, vernetzt, agil – die Lebenswelt und ganz besonders die Arbeitswelt verändert sich rasant. Die Rede ist von «Arbeitswelt 4.0». Da stellt sich für Schulen zuallererst die Frage, wie sie die Schülerinnen und Schüler am besten auf diese Zukunft vorbereiten. Doch ist auch zu fragen, ob an den Schulen selbst nicht auch neue Berufsbilder notwendig werden, um ‘smart’ auf immer neu aufkeimende Fragestellungen im Lehrberuf ‘vernetzt’ zu reagieren, um ‘agil’ auf neue Bedürfnisse der Gesellschaft zu reagieren. 

Crosslinkerinnen und -linker
Der Kanton Zürich unternimmt bereits Schritte in diese Richtung: So gibt es bereits die Figur der Crosslinkerinnen und Crosslinker, deren Aufgabe es ist, im Rahmen des Projekts «Digital Learning Hub Sek II» jene Lehrpersonen untereinander zu vernetzen, die digitale Unterrichtsprojekte realisieren. Sie schaffen also Synergien innerhalb der jeweiligen Schule und vernetzen die Akteure der verschiedenen Schulen miteinander.

Vernetzung ist aber nicht nur im Rahmen des digitalen Unterrichts gefragt. Schulen sind Mikrokosmen, in denen laufend bestehende Angebote neu angepasst oder neue Formate entstehen – im Umgang mit den Schülerinnen und Schülern, den Fachschaften, den Eltern, der Schulleitung und den Schulbehörden. Zufällig gewähltes Beispiel 1: die Gestaltung der Winterthemenwoche in verschiedenen Fächern. Beispiel 2: die Weiterentwicklung der Maturaprüfungen. Beide Projekte erfordern Koordination und Kreativität. Und von beiden Projekten ist anzunehmen, dass sie an anderen Schulen zumindest angedacht, wenn nicht sogar umgesetzt sind. Wäre es da nicht wünschenswert zu erfahren, wo welche Erfahrungen gemacht wurden? In anderen Worten: Bräuchte es also nicht auch bei Fragen der allgemeinen Unterrichts- und Schulentwicklung solche Crosslinkerinnen und Crosslinker? Ich bin davon überzeugt.

Bildungsmediatorinnen und -mediatoren
Darin würde die Aufgabe dieses neuen Berufsprofils bestehen: Die Fühler auszustrecken und nach bereits laufenden Projekten und Modellen zu suchen, die mögliche Lösungen für aktuelle Fragestellungen bieten. Interessant ist das ganze Spektrum, von Best- zu Bad-Practice. Damit die positiven und insbesondere auch die nicht gelungenen Erfahrungen mit dem nötigen Spitzenfingergefühl vermittelt werden können, wird diese Stelle der «Bildungsmediation» vom Kanton oder gar von mehreren Kantonen getragen. 

Wer würde sich besser für so eine Aufgabe eignen als eine Lehrkraft, die die komplexe Realität des Schulalltags von der Pike auf kennt? Sie hätten die Aufgabe, Verbindungen über die Schulstufen, die Kantone, die Ausbildungsprofile und – last, but not least – über die Landesgrenze hinweg zu schaffen. 

Der Blick von aussen
Die Kenntnis bereits gemachter Erfahrungen würde dazu beitragen, dass Fachschaften, Schulen und Kantone smarter und agiler auf anstehende Anforderungen reagieren. Nicht nur: Eine solche Stelle könnte dazu beitragen,

  • kantonalen Projekten neue Impulse zu geben;
  • fachschaftübergreifende Zusammenarbeit zu spezifischen Themen vereinfachen;
  • mehrere Perspektiven berücksichtigen, nicht zuletzt diejenige der Schülerinnen und Schüler;
  • Leerläufe vermindern;
  • Innovation fördern.

In der Berufswelt ist die Stossrichtung klar: Die Automation gefährdet altbewährte Berufe und schafft neue Berufsfelder, wo die 4K (Kreativität, Kollaboration, Kritisches Denken und Kommunikation) erfordern. Warum also nicht in der Schule an ein Berufsfeld denken, das die schulische Realität mit neuen Augen liest, Erfolgs- und Misserfolgsformeln aufgreift, Leute miteinander vernetzt und so eine ‘agile’ Schulkultur fördert? 

Sara Alloatti

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