Unser gemeinsames Ziel dabei ist, eine Schule zu gestalten, auf die wir auch in Zukunft stolz sein können. Was sich an der KUE bewährt hat, soll erhalten bleiben. Gleichzeitig wollen wir neuen Ideen Raum geben und uns von dem verabschieden, was nicht mehr passt. Oder, um es mit einem Leitsatz des kantonalen Projekts WegZH zu sagen: «Wir geben Neuem Raum, erhalten Bewährtes und verabschieden uns von Überholtem.»
Mit der eidgenössischen Reform der gymnasialen Maturität und dem kantonalen Projekt WegZH sind gewisse Rahmenbedingungen vorgegeben. Doch nicht alles ist festgelegt und in verschiedenen Bereichen haben die Schulen Gestaltungsspielraum. Diesen wollen wir an der KUE nutzen.
Daher haben wir vor allem an zwei Themen gearbeitet – an der Konzeption der künftigen Stundentafeln und an der Entwicklung neuer Ergänzungsfächer. Dabei ging es (noch) nicht darum, am Ende des Tages bereits fertige Lösungen zu haben. Vielmehr wollten wir gemeinsam herausfinden: Was ist möglich? Was funktioniert? Was brauchen unsere Schüler:innen? Welche Ideen passen zu dem, was die KUE ausmacht? Und welche Ideen würden uns begeistern?
«Pröble» bedeutet in der Schweiz, etwas auszuprobieren, zu experimentieren, zu tüfteln und verschiedene Möglichkeiten zu testen, bis sich eine gute Lösung findet. So haben wir uns pröbelnderweise einer guten Stundentafel angenähert. Inspiriert von der Fussball-WM gab es ein «Stundentafel-Turnier». In fachschaftsgemischten Gruppen wurden unterschiedliche Modelle entwickelt, die sich dann in einem Turniermodus behaupten mussten.
Dabei zeigte sich schnell, dass gute Lösungen vor allem dann entstehen, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. So wurden neue Möglichkeiten sichtbar. Es wurde aber auch erkannt, wo es Grenzen gibt, welche Ideen einander ausschliessen und wo die einzelnen Fachschaften Gestaltungsspielräume haben. Und das Experimentieren hat noch etwas anderes gezeigt. Man muss nicht von Anfang an wissen, wie die perfekte Lösung aussieht – man kann einfach mal pröble.
Den grössten inhaltlichen Gestaltungsspielraum bietet die Reform aber bei den Ergänzungsfächern. Hier können wir als Schule eigene Akzente setzen und neue Themenfelder erschliessen. Das passt zu einer weiteren Idee, die uns beschäftigt. Viele Lehrpersonen und Schüler:innen brennen für bestimmte Themen, die über den klassischen Fächerkanon resp. die Themen der Grundlagenfächer hinausgehen. Die Ergänzungsfächer könnten ein Ort sein, an dem solche Interessen sichtbar werden und vertieft werden können – nach Möglichkeit auch interdisziplinär.
Und was wünschen sich unsere Schüler:innen eigentlich im Bereich der Ergänzungsfächer? Für die Retraite haben wir deshalb Maturand:innen zu ihren Vorstellungen befragt. Ihr Wunsch war eindeutig: Sie möchten eine möglichst grosse Vielfalt und möglichst viele Wahlmöglichkeiten.
Also haben wir uns ausgehend von diesen Wünschen zunächst einmal dem Spintisieren hingegeben. «Spintisieren» – das bedeutet, wunderlichen und abwegigen Gedanken nachzugehen, Ideen weiterzuspinnen und auch einmal zu überlegen, was wäre, wenn eigentlich alles möglich wäre. Beim Spintisieren geht es nicht darum, sofort die Machbarkeit zu prüfen. Im Gegenteil: Gerade die verrückten, überraschenden oder zunächst völlig unrealistischen Ideen können einen auf neue Wege bringen.
Und so wurde an der Retraite munter spintisiert: Welche Ergänzungsfächer würden wir selbst als Schüler:innen wählen? Was könnten wir anbieten, das es so an anderen Schulen vielleicht noch nicht gibt? Was passiert, wenn wir klassische Fachgrenzen bewusst überschreiten? Welche Themen entstehen, wenn Lehrpersonen aus unterschiedlichen Fachrichtungen ihre Interessen zusammenbringen?
Pröble und spintisiere – beides gehört zusammen. Noch ist manches offen. In den kommenden drei Jahren werden wir vieles entwickeln und weiterverfolgen, manches aber auch über Bord werfen. Die Retraite war deshalb kein Abschluss, sondern ein Schritt auf einem längeren Weg. Nicht jede Idee wird es bis zum Schluss schaffen – und das gehört zum Pröbeln und Spintisieren dazu.
Karin Hunkeler
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