Die in diesen Wochen stattfindenden Elternabende haben das Ziel, den Eltern einen Einblick in den Unterricht zu geben und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, mit den Lehrpersonen ihrer Kinder ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig aber erfahren die Lehrpersonen und die Schulleitung, was die Eltern beschäftigt: Diese berichten über das Befinden ihrer Kinder, formulieren ihre Anliegen im Zusammenhang mit der Digitalisierung oder die Fragen, die sich ihnen zum Thema KI stellen.
In den persönlichen Gesprächen mit den Eltern an diesen Abenden wird auch immer wieder deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler viel Unterstützung zu Hause bekommen. Und das nicht, weil die Erziehungsberechtigten alle sogenannte Helikopter-Eltern sind, sondern weil die Jugendlichen diese brauchen.
Der entscheidendste Bereich der elterlichen Unterstützung während der gymnasialen Ausbildung ist wohl die Finanzierung, denn die Kinder sind während mindestens vier Jahren voll auf finanziellen Unterhalt angewiesen und es kommen noch die Kosten für Lehrmittel, Exkursionen und Klassenlager hinzu. Wichtig ist aber auch, dass die Eltern zu Hause für eine Umgebung sorgen, die zum Lernen geeignet ist: die Stabilität, die das Elternhaus bietet, die Ernährung (bei Teenagern sehr wichtig!), die Sicherstellung von Ruhephasen, das morgendliche Wecken, der ruhige Arbeitsplatz und vieles andere mehr. Was die Eltern in dieser Hinsicht leisten, merkt man, wenn diese Unterstützung aus irgendeinem Grund nicht mehr funktioniert oder ernste familiäre Konflikte dazu führen, dass Schüler:innen das Elternhaus nicht mehr als Rückzugsort empfinden.
Über diese beiden grundlegenden Bereiche hinaus hat es laut einer Studie der TU München einen positiven Effekt auf die schulischen Leistungen des Kindes, wenn die Eltern eine positive Erwartungshaltung vermitteln. Indem Eltern Lernstrategien diskutieren oder Lob und Kritik möglichst differenziert auf einzelne schulische Arbeiten oder Prüfungen beziehen, können sie positiv darauf einwirken, was sich die Kinder in den einzelnen Fächern selbst zutrauen und wie sehr sie sich in der Schule engagieren. Dagegen verbessere die Beteiligung der Eltern am Lernen zu Hause die Schulleistungen nur geringfügig, könne aber gegebenenfalls die Motivation verstärken, lauten weitere Aussagen der Studie.
Die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten der Eltern während des gymnasialen Bildungswegs haben insgesamt einen grossen Einfluss auf den Erfolg der Lernenden und das führt zu Ungerechtigkeiten. Denn Kinder aus bessergestellten Familien sind im Vorteil. Die Langzeitstudie TREE (Transitionen von der Erstausbildung ins Erwerbsleben) der Universität Bern zeigt, dass in der Schweiz ein deutlicher Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildung besteht. Kinder von Eltern mit Tertiärbildung haben eine mehr als doppelt so grosse Chance, eine Studienberechtigung und einen Hochschulabschluss zu erwerben, als Kinder von Eltern mit tieferem Bildungsniveau.
Deshalb ist es wichtig, dass wir als Schule die Unterstützung der Eltern nicht als selbstverständlich ansehen. Und dass wir möglichst wenige Anforderungen an die Jugendlichen stellen, die über den sowieso notwendigen Support hinaus noch weitere Hilfe der Eltern notwendig machen.
Eugenie Bopp
PS: Die IG Eltern der KUE organisiert neu eine Themenreihe für Eltern zum Thema «Gemeinsam Jugendliche stärken». Referentin ist Mirta Boesch, Lehrerin für Psychologie an der KUE. Der erste Anlass findet am 10. Juni statt.