Wunschmenü

Per aspera ad astra: Warum du trotz steinigen Prüfungsphasen durchbeissen solltest, um zu den Sternen zu kommen. Mehr dazu im aktuellen Wochenbrief.

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Seit diesem Schuljahr dürfen wir Maturand:innen einen grossen Teil unseres Stundenplans selbst zusammenstellen – und gehen spürbar motivierter in die Schule. Mein Stundenplan liest sich streckenweise wie eine Speisekarte mit x Gängen, von dem ich das Menü grösstenteils selbst wählen durfte.

Montag

Wir steigen stark ein, denn der Montag trifft ins Schwarze: Mit Fussball, Rudern auf dem Zürichsee, Parasport und vielen weiteren Angeboten startet die Woche. Erst zu Beginn dieses Schuljahrs eingeführt, sind die sogenannten Sportmodule nigelnagelneu: Wir 6. Klässler:innen besuchen die Doppellektion Sport neu in klassen- und geschlechterübergreifenden Wahlmodulen. Der Ball wird alles andere als flach gehalten, denn weiter geht der Tag mit den Vertiefungskursen. Du hast's nicht so mit der Mathematik? Kein Problem: Der Deutschkurs Qualitätsjournalismus mit der NZZ bietet eine willkommene Abwechslung vom Frontalunterricht – in engem Kontakt mit Journalist:innen der Zeitung arbeiten wir auf einen eigenen Artikel im Blatt hin. Du hast's lieber visuell? Dann bist du im Kurs Literatur und Film genau richtig. Wenn's dir aber doch eher die Zahlen angetan haben, enttäuscht auch das Angebot der Mathematiker:innen nicht: von Analysis bis Statistik.

Dienstag

Die einen freut's, dass sie Musik gewählt haben – im letzten Jahr entfallen für sie die Stunden, da der Instrumentalunterricht kompensiert wird. Die anderen verfluchen sich insgeheim, weil sie dafür die grosse Abschlussarbeit im BG verpassen. Die ganzen Sommerferien habe ich über das diesjährige Thema gerätselt. Diese Arbeit ist fast wie eine kleine Maturaarbeit im Miniaturformat, nur eben an ein Jahresthema gebunden: «Unsichtbar».

Nach ein paar regulären Schulstunden, die wie im Flug vergehen, steht schon der nächste Gang des ausgewählten Menüs an: der naturwissenschaftliche Wahlkurs. Je nach Profil stehen unterschiedliche Fächer zur Wahl: Biologie, Chemie und Physik. Per aspera ad astra – auch Astrophysik steht auf der Speisekarte. Angehende Mediziner:innen freuen sich derweil über Medizinische Physik.

Mittwoch

Der Mittwoch ist ein Highlight für sich: Man hat die Qual der Wahl zwischen acht unterschiedlichen Ergänzungsfächern – garantiert für jede und jeden etwas dabei. Du vermisst Informatik aus der 4. Klasse? EF Informatik sollte dein Heimweh stillen. Die grossen Lebensfragen werden im EF Philosophie gestellt. Nachwuchstalent im Sport? Im EF Sport werden Theorie und Praxis geschickt miteinander verbunden.

Übrigens: Was heute ein fixes Menü mit acht Wahlmöglichkeiten ist, dürfen die Kantonsschulen künftig selber zusammenstellen. Bisher gab ein eidgenössischer Katalog vor, was auf der EF-Speisekarte stehen darf – ab dem Schuljahr 2029/30 kochen die Schulen ihr Ergänzungsfach-Menü laut einem Beschluss des Zürcher Bildungsrats vom 1. Juni 2026 selber.[1]

Donnerstag

Zum Abschluss das Sahnehäubchen der Wahlen bietet der geisteswissenschaftliche Wahlkurs. Wer für ein Leben lang genug Gesteine auswendig gelernt hat, gönnt sich zur Abwechslung zum Beispiel den Kurs Faszination Japan. Du möchtest Geografie dagegen treu bleiben? Dann gibt's den Kurs Naturgefahren – oder, wer's weltpolitisch mag, China: Partner oder Bedrohung? Und nicht zu vergessen: das breite Freifachangebot, das einem ab Tag eins an der KUE offensteht. Fast alle finden heute statt. In der Redaktion der Schulzeitung KUEbel etwa geht es bereits erstaunlich professionell zu: recherchieren, schreiben, layouten – nur die Schlagzeilen fehlen noch.

Freitag

Am Freitag werde ich wieder von der Realität eingeholt. Je schneller die Woche vergeht, umso schleppender bewegt sich der Minutenzeiger am Freitag. Am Freitag: keine Wahl, normaler Unterricht. Er erinnert daran, was für ein Privileg unsere Wahlfreiheit eigentlich ist – und wie eintönig, im Vergleich, der Unterricht vor den Sommerferien noch war. Der Freitag ist mein bester Beweis: Sobald die Wahl wegfällt, fällt auch der Elan. Wie phänomenal wäre es doch, auch schon in der 5. Klasse das Menü freier bestimmen zu dürfen! In der Praxis sähe das allerdings schwierig aus, da in jener Klasse gewisse Grundkompetenzen noch nicht vollständig geschult sind und nichts für zum Beispiel ein EF entbehrlich ist. Deshalb: Wahlfreiheit olé!

Valentina von Krauland, 6b

[1] https://www.zh.ch/de/bildungsdirektion/generalsekretariat-der-bildungsdirektion/bildungsrat/suche-bildungsratsbeschluesse/2026-brb-09.html. Zuletzt besucht am 01.09.2026.

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