Zwischenstunden

Wenn Unterricht ausfällt, wirft das immer wieder Fragen auf. Einige Erklärungen und Gedanken zum Thema im aktuellen Wochenbrief.

An einem der Elternabende der 3. Klassen wollte jemand wissen, warum eigentlich immer wieder mal Lektionen ausfallen würden. Da diese Frage öfters gestellt wird – und leider nicht immer mit der echten Neugier jenes Vaters, sondern manchmal eher vorwurfsvoll –, soll hier meine Antwort wiederholt und etwas ausgeweitet werden. Der Zeitpunkt dafür ist günstig: In den nächsten Wochen werden in der Tat viele Lektionen gestrichen sein, und zwar wegen der Maturprüfungen.

Damit ist auch schon ein erster Grund genannt: Damit die Schule als Gesamtsystem funktioniert, tritt in bestimmten Phasen der Fachunterricht in den Hintergrund. Dazu gehören neben den Abschlussprüfungen auch die Aufnahmeprüfungen. Während beiden Phasen sind vor allem einzelne Fächer stark in die Abwicklung der Prüfungen involviert. Die Lehrpersonen der anderern Fächer organisieren deshalb Parallelprogramme – von Modulen für die Maturarbeit und zu Präventionsthemen über Sportevents bis zu Exkursionen. Und ein Teil der Lektionen muss ersatzlos gestrichen werden, weil wir nicht genügend Lehrpersonen haben.

Ein weiterer Grund hängt damit zusammen, dass Lehrpersonen in mehr als einer Klasse unterrichten. Unternimmt eine Geschichtslehrperson einen Ausflug ins Bundeshaus oder eine BG-Klasse in eine Kunstausstellung oder wird eine Geografie-Exkursion zur Donauversickerung durchgeführt, sind davon immer die Lektionen betroffen, die diese Lehrperson in anderen Klassen hätte. Damit der Unterricht in der einen Klasse anschaulicher und attraktiver wird, muss dieser Preis bezahlt werden. Da aber alle Klassen zu unterschiedlichen Zeiten in den Genuss solcher spezieller Angebote kommen, profitieren längerfristig alle davon.

Bei Ausfällen können Lektionen im Stundenplan auch als «beschäftigt» angezeigt werden. Damit wird signalisiert, dass die Klassen mit einem Auftrag versehen werden, an denen sie in der Zeit arbeiten sollen. Jedoch sind Löcher, die den Stundenplan auflockern, oft Verschnaufpausen und geben Raum für Soziales. Das ist oft naheliegender, als in der Zwischenstunde am erteilten Auftrag zu arbeiten. Und das ist auch verständlich und gut so. Die Kehrseite davon ist dann allerdings, dass man die Arbeit später am Abend oder am Wochenende wird erledigen müssen. Schüler:innen sollten mit zunehmendem Alter die Fähigkeit entwickeln zu merken, wann sie was zu erledigen haben. Und die Disziplin erlangen, das auch umzusetzen. Wir haben an der KUE attraktiv gestaltete Arbeitsräume und Nischen, die dafür vorgesehen sind, allein oder in einer Gruppe zu arbeiten. Neu steht auch die nahe Gemeindebibliothek für solche Stillarbeitsphasen zur Verfügung, ebenfalls mit vielen Arbeitsplätzen.

Und manchmal ist eine Lehrperson auch einfach krank und der Unterricht fällt deshalb aus. Wir führen keine Statistik, wie oft das vorkommt. Mein persönlicher Eindruck über viele Jahre ist aber eher der, dass Lehrpersonen während des Semesters, obwohl sie stark allen möglichen Krankheitserregern ausgesetzt sind, eher zu wenig als zu häufig fehlen – mit dem hinlänglich bekannten Effekt, dass sie bei Ferienbeginn erstmal krank werden.

Gerne erinnere ich hier an den 2021 kantonal prämierten Text unseres damaligen Untergymi-Schülers Milo Sprecher zum Thema «Zwischenstunde»: Es handelt sich um ein Interview, das eine Biologiestunde mit einer Zwischenstunde führt. Es wäre schön, würde in der einen oder anderen solcher Zwischenstunden etwas ähnlich Erfrischendes wie dieser Text von Milo entstehen.

Jürg Berthold

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