ROMA AETERNA

Durch die Tiefen der Zeit: Bericht von der Studienreise der KUE-Lateingruppe nach Rom (26. April bis 1. Mai 2026).

Sonntag 26.04: Rütteln des Zuges. Gleichmässig. Die Landschaft vorbeiziehend. Berge. Seen. Austauschen von Namen. Alter. Interessen. Lachen. Aufregung. Die Reise des Lateinprofils nach Rom hatte begonnen. Vier Jahrgangsstufen durchmischt. Umsteigen. Mailand. Imposanter Bahnhof. Die Grösse. Die Architektur. Eine Mischung verschiedener Stile.  Römische und klassizistische Monumentalarchitektur. Jugendstil. Art déco. Faschismus. Ein Einstieg auf die uns erwartende Stadt.

Nach der siebenstündigen Zugfahrt erreichten wir unsere Unterkunft. Ein Gebäude in der Nähe des Hauptbahnhofes. Anschliessend folgte ein Spaziergang. Milde Abendluft. Die ersten Kirchen wurden betrachtet. Beinahe plötzlich bot sich der Anblick auf die berühmten Mauern des Kolosseums. Die ersten Fotos wurden geschossen. Eine kurze Erzählung über die Geschichte des Gebäudes gegeben. Das Abendessen in einem italienischen Lokal rundete den Tag ab.

Montag 27.04: Am nächsten Morgen stiegen wir hinab. Durch die Tiefen der Zeit. Eine Kirche über einer Kirche über einer Kirche. Die Basilika San Clemente. Drei Schichten. Drei Epochen. Drei Stockwerke. Jedes aus einer anderen Zeit erzählend.  Erinnerungen, übereinandergelegt. Später passierten wir den Eingang des Kolosseums. Staunen. Angeregte Gespräche. Ein Versuch zu verstehen, was in diesen Gemäuern geschehen ist. Das Brüllen der Löwen. Das Rufen der Menge. Seeschlachten auf geflutetem Boden. Weiter zu den Kaiserforen. Wir schlendern durch alte Strassen. Vorbei an Statuen. Krüge. Alles Zeugen. Zeugen eines vergangenen Alltags. Viele Treppenstufen führten uns zur Dachterrasse des Kapitols hinauf. Von dort: Ein Blick über ganz Rom. Nicht ohne vorher den Piazza del Campidoglio, von Michelangelo gestaltet, bewundert zu haben. Am Abend dann, Gelächter. Viel Gelächter. Bald wusste das gesamte Restaurant von unserem Scheitern bei der Übersetzung von Ovids Texten.

Dienstag 28.04: Alle betrachteten die Fläche. Heute eine Wiese. Ein Ort für Kinder zum Spielen. Schulklassen. Früher erfreuten sich hier die Menschen über splitternde Wagen. Die beliebtesten Zuschauerplätze im Circus Maximus befanden sich in den Kurven. Hier verstarben die meisten Menschen. Floss das meiste Blut. Auf dem Forum Romanum begann sich uns im Verlauf das Ziel zu stellen, ein Gebäude zu finden, welches nicht niedergebrannt war. Oder zumindest nur ein einziges Mal. Nach vielen Schritten, auf der Piazza Navona angekommen, konnten wir uns ein Schmunzeln nicht verkneifen. Eine der Statuen des Vierströme-Brunnens, von Gian Lorenzo Bernini errichtet, die sich schützend die Hand vor das Gesicht hält. Um den Anblick der Sant‘ Agnese, von seinem Konkurrenten Francesco Borromini entworfen, zu ertragen. Auch später, auf dem Weg zur Spanischen Treppe, wurde die Architekturfaszination deutlich. Inmitten einer Kreuzung blieben wir stehen. Um verschiedene Obelisken gleichzeitig zu betrachten. Die verschiedenen Achsen. Während die Autos keinerlei Absichten hatten zu warten.

Mittwoch 29.04: Faszinierte Blicke an die Decke. Die Sonnenstrahlen durch das ca. 9 Meter grosse Loch fallend. Das Pantheon mit Besuchern gefüllt. Alle die Physik hinter diesem Bauwerk bewundernd. Ein kurzer Abstecher zur Ara Pacis. Am Nachmittag zum Trevi-Brunnen. Die Münzen auf dem Grunde schimmernd. Noch heute stammt das Wasser aus einem antiken Aquädukt. Mit Trillerpfeifen wurden die vielen Besucher:innen zurechtgewiesen. Man wusste kaum noch, wem welcher Pfiff galt. Der Nachmittag wurde unterschiedlich verbracht. Im schattigen Park der Villa Borghese. Enten und Schildkröten beobachtend. Kaffee trinkend. Im Gewimmel der Stadt. Oder auch im ruhigen Hostelzimmer.

Donnerstag 30.04:  Ostia Antica. Früher eine Hafenstadt. Vermutlich die erste Kolonie Roms. Alte Mosaike in Thermen. Ein Amphitheater. Mit dem dahinter liegenden Handelsplatz. Das Kapitol den Göttern Jupiter, Juno und Minerva gewidmet. Mitten auf der ursprünglichen Hauptstrasse erbaut. Ein Speicher mit Verschlusssystem an der Tür. Zur Sicherung der Ware. Vermutlich hätten wir den ganzen Tag in dieser geschichtsträchtigen Ausgrabungsstätte verbringen können. Den sich uns ergebenden Fragen nachgehend. Wie wurde das Wasser der Thermen gewechselt? Uns die Ruinen voller Leben und Farben vorstellend. Die Theaterspiele im Amphitheater. Zwischen all den erzählenden Überresten. Am Nachmittag bestaunten wir den Vatikan. Den Dom sahen wir von unten, von oben, von aussen und von innen. Der Gang in die Kuppel war schmal. An den schrägen Stellen wurde einem bewusst, dass man sich zwischen zwei Mauerschichten der Kirche bewegte. Mehr als 120 Metern über dem Boden. Für die vatikanischen Museen fehlte am Abend die Zeit (und auch die Energie).

Freitag 01.05: Auf der Rückfahrt wurde nicht viel gesprochen. In Erinnerungen hängend. An lustige Momente denkend. Müde und dankbar betrachteten wir die stetig wechselnde Landschaft. Auf dieser Reise sind neue Freundschaften entstanden. Freundschaften, die sich ansonsten nicht ergeben hätten. Es sind Erinnerungen entstanden. Erinnerungen, die für immer bleiben werden.

Anjana Schnetzer, 5d