Zwischen Maturstress, Wunderland und Bundeshaus

Auszüge aus dem Tagebuch einer Schulleiterin im aktuellen Wochenbrief.


Montag, 1. Juni 2026

Der Montag beginnt mit einer gewissen Anspannung. Die schriftlichen Maturitätsprüfungen starten mit der Deutschmatur. Deren Konzept wurde von der Fachschaft erneuert und die Texte werden teilweise auf elektronischen Prüfplattformen geschrieben. Obwohl alles sorgfältig vorbereitet ist, bleibt die Ungewissheit, ob alles reibungslos funktionieren wird.

Im Laufe des Vormittags weicht die Nervosität der Erleichterung: Nur in einer Klasse treten technische Schwierigkeiten auf. Glücklicherweise können diese rasch behoben werden, sodass die betroffenen Schülerinnen und Schüler ihre Prüfung regulär fortsetzen können.

Dienstag, 2. Juni 2026

Wie jede Woche beginnt der Dienstag mit unserer Schulleitungssitzung. Diese Woche: letzte Anpassungen der neuen 1. und 3. Klassen aufgrund von Rekursen. Organisation und thematischer Fokus der Retraite im Herbst. Planung der Maturfeier.

Anschliessend steht ein Bewerbungsgespräch an. Solche Gespräche gehören zu den besonders wichtigen Aufgaben einer Schulleiterin, denn die Entscheidung gestaltet die Zukunft unserer Schule mit. Auch die im Rahmen dieser Verfahren stattfindenden Unterrichtsbesuche bieten immer spannende Einblicke in den Unterricht und die Gegebenheiten der einzelnen Fachschaften. Nachmittags ein Gespräch mit einem Schüler, seiner Klassenlehrperson und den Eltern; wir besprechen Lösungen für eine schwierige Situation. Wie immer sind das Zuhören und Ernstnehmen der Situation besonders wichtig.  

Am Abend findet der Teamevent unserer mittlerweile bereits fünf Personen umfassenden Fachschaft Wirtschaft & Recht statt. Nach einem gemeinsamen Nachtessen wagen wir uns in eine virtuelle Welt und absolvieren ein VR-Game, das uns mitten in die fantastische Welt von «Alice im Wunderland» versetzt. Dabei zeigt sich schnell, dass meine jüngeren und game-affineren Fachschaftskolleg:innen deutlich geschickter durch die virtuelle Umgebung navigieren als ich.

Mittwoch, 3. Juni 2026

In der ersten Lektion am Vormittag hält meine Klasse Kurzpräsentationen, wobei sie sich mit unterschiedlichen Aspekten des Gesellschaftsrechts befassen. Der Wechsel zwischen Unterrichten und den Aufgaben in der Schulleitung ist anspruchsvoll und oft besonders belastend.

An der Schulleitungssitzung besprechen wir den neuen Vorschlag der Arbeitsgruppe Absenzen. Das Thema beschäftigt viele Schulen, und wir prüfen sorgfältig, wie wir Regelungen weiterentwickeln können, die sowohl praktikabel als auch pädagogisch sinnvoll sind. Mit Blick auf den anstehenden Konvent besprechen wir, welche Mitteilungen ans Kollegium wir schriftlich und welche wir mündlich machen wollen.

Donnerstag, 4. Juni 2026

Der Donnerstag steht ganz im Zeichen des Unterrichtens und ist zweifellos ein Highlight. Gemeinsam mit meiner Geschichtslehrkollegin und unserer Klasse machen wir uns auf den Weg nach Bern.

Nach einer Führung durch die Altstadt zum Thema «1848 – Bern wird Bundesstadt» erhalten wir die Gelegenheit, das Bundeshaus zu besuchen und einen Blick hinter die Kulissen der Schweizer Politik zu werfen. Dort können wir die Debatten der Sommersession im Nationalrat live mitverfolgen – Thema ist die Beschaffung von Kampfflugzeugen. Besonders eindrücklich ist die Begegnung mit Ständerat Daniel Jositsch. Trotz des für ihn bedeutungsvollen Tages nimmt er sich Zeit, die vielen Fragen der Schülerinnen und Schüler zu beantworten und aus seinem politischen Alltag zu berichten.

Freitag, 5. Juni 2026

Einige Nachwehen des letzten Schultags der Maturklassen am vergangenen Freitag beschäftigen uns noch. Insgesamt war es ein schöner und würdevoller Anlass, den die Maturandinnen und Maturanden auf die Beine gestellt haben. Umso bedauerlicher ist es, dass einzelne Vorfälle von respektlosem Verhalten von jüngeren Schülern das positive Gesamtbild etwas trüben. Zudem mussten wir feststellen, dass in einigen Klassen am Nachmittag deutlich mehr Schülerinnen und Schüler fehlten als üblich. Diese Punkte werden uns in den kommenden Tagen noch beschäftigen.

Wir haben die Woche mit einem Fokus auf die aktuellen Maturklassen gestartet. Der Abschluss steht im Zeichen des neuen Maturjahrgangs 2027. Die 5.-Klässlerinnen und 5.-Klässler sind seit dieser Woche die Ältesten im Schulhaus. Diesen Umstand feiern wir mit dem Anlass Out of the Box, der in Zusammenarbeit mit der IG Eltern organisiert wird. Die Jugendlichen können mit Referentinnen und Referenten aus unterschiedlichen Studien- und Berufsbereichen ins Gespräch kommen und sich über ihre Studien- und Berufswahl austauschen. Dieses Jahr besonders schön: Viele der Referent:innen gehören zum Jahrgang, der an der KUE 2022 die erste Matur gemacht hat.

Karin Hunkeler

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